01 Musik und HiFi

Seit dem ich angefangen habe, Musik zu hören, war mir eine gute Wiedergabe wichtig.

Mit zwölf oder dreizehn Jahren bekam ich von den Eltern eines Freundes ein altes Grundig Tonbandgerät (Holzgehäuse mit eingebautem Radio) und einen Plattenspieler geschenkt, weil sie sich eine Perpetuum Ebner Kompaktanlage für damals unglaubliche 2500 DM gekauft hatten. Damit hörte ich Platten – ich hatte zwei oder drei – und nahm im Radio die Hitparade auf, die damals noch etwas taugte. Es gab ja sogar noch die Beatles!

Dann lernte ich ein junges Pärchen kennen, die recht erfolgreich eine Spedition gegründet hatten. Die hatten eine Braun Anlage mit allem Schnick und Schnack und was da raus kam, warf mich um! So geil konnte man also Musik hören!

Das alles war natürlich unerreichbar und ich hörte weiter auf meinen alten Klamotten…

Irgendwann hatte meine Mutter die Spendierhosen an und schenkte mir eine Schneider Kompaktanlage, weil sie ja wusste, wie gerne ich Musik hörte. Ich bemerkte schnell, dass das Ding nicht so das Gelbe vom Ei war und als ich feststellte, dass die Anlage aus den Lautsprechern rauschte, brachte ich sie in Reparatur. Der Techniker sagte zu mir: „Ei, Bub, wenn Du nicht willst, dass es rauscht, musst Du dir was besseres kaufen.“

Mit sechzehn Jahren ging ich dann in den Sommerferien arbeiten, weil ich eine vernünftige Anlage haben wollte. Nach sechs Wochen Schuften in einem Lager hatte ich genug Geld, um mir einen Sony STR 6036 zu kaufen, der kostete damals 1000 DM, ich bekam das Vorführgerät für 700DM. Viel Geld für einen Receiver mit 2×22 Watt.

Ich hatte noch Geld für ein Paar Heco Boxen und dann verließen sie ihn. Meine Mutter hatte Mitleid und kaufte mir noch einen Dual 1216 dazu. Ich fand es toll und war selig.

In den frühen 1970er Jahren war HiFi ein großes Thema und ich entschloss mich, in einem HiFi-Studio zu arbeiten, weil ich die Technik einfach toll fand. Mein damaliger Chef, de gar nicht so viel älter war als ich, zeigte sich sehr tolerant und gab mir die Geräte zum Einkaufspreis, so dass ich im Laufe der Zeit meine Freunde und deren Freunde mit HiFi Geräten versorgte. Nebenbei sei gesagt, dass es mir zu der Zeit, gemessen an meinem Alter, finanziell recht gut ging, denn ich verkaufte die Geräte sehr günstig, aber ein wenig blieb immer hängen. Damals gab es im Einzelhandel noch gute Gewinnspannen von 30-50%, da konnte man so kalkulieren, dass alle zufrieden waren.

Und so besaß ich etliche tolle Anlagen, die ich in meinem Ein Zimmer Appartement aufstellte und dann irgendwie weiter verscheuerte. Das neueste von Denon, Harman-Kardon, Tannoy Berkeley Lautsprecher (unglaubliche Puschen für eine Ein-Zimmerwohnung), Transcriptor Plattenspieler oder ein Linn Sondek* als auch der Harman-Kardon ST7 waren dabei. Die KEF Calinda war damals sehr angesagt, die brauchten mächtig kraftvolle Verstärker, um vernünftig zu spielen. Sehr schön spielte der Harman-Kardon A 402 in Verbindung mit den Tannoy Devon.

Dann war für ein paar Jahre Pause, ich hörte im HiFi Studio auf und verlor das Interesse, bis ich nach ein paar Jahren, Mitte der 1980er Jahre wieder Blut leckte.

Ich hatte vor, mir eine kleine Anlage zu kaufen und alles bereits durchgeplant. Zuerst kaufte ich mir einen Luxman L-190, ein kleiner, feiner Verstärker. Doch ein Kollege durchkreuzte meine Pläne, in dem er mir für recht kleines Geld ein Paar Infinity Model 2000 anbot. Tolle Boxen, elektrostatische Hochtöner und damals schon alt (1970). Das Problem war, sie brauchten so viel Leistung, dass der L-190 dicke Backen machte und ich einen potenteren Verstärker brauchte. Per Zufall kam ich an einen Luxman L-430, gebraucht für 800 DM. Luxman war damals die Marke für Leute, die einen echten Edelverstärker brauchten und das Geld für z.B. einen Accuphase nicht hatten.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe ihn heute noch! Seit dreißig Jahren spielt er zu meiner größten Freude, vor zwei Jahren wurde er generalüberholt und ein HiFi Händler bescheinigte mir seinen sagenhaften Klang. Für einen gleichwertigen oder etwas besseren Verstärker müsste ich um die 5000 € ausgeben, so das Urteil eines seriösen Händlers aus Frankfurt.

Auch mein Denon CD Spieler von 1986 funktioniert noch heute, obwohl ich ihn inzwischen durch einen Rega Apollo ersetzt habe. Ebenso mein Thorens TD 115 Mk II, der im Schrank steht, weil ich mir vor zwei Jahren meinen Jugendtraum, einen Thorens TD 126 MkIII, zugelegt habe.

Leider habe ich die Infinity verkauft, ich war mal verheiratet und der Gattin waren die Lautsprecher zu groß. Hätte ich damals geahnt, dass kurze Zeit später die Trennung und Scheidung ansteht, hätte ich sie behalten (die Lautsprecher).wlEmoticon-smile.png

Doch, mittlerweile auch schon vor zehn Jahren kam die Rettung in Form eines Pärchens Bowers & Wilkins 705, ein recht kleiner, aber feiner Lautsprecher, der toll kling und den ich nicht mehr hergeben werde. Der in dem Link angegebene Preis von 2300 Fränkli, bzw. 1400 € in Deutschland stimmt nich ganz, ich habe sie 2006 als Auslaufmodell für 700 € erstanden. Später habe ich mir noch die Original Ständer dazu gekauft.

Inzwischen wird bei mir auch gestreamt, das mache ich mit einem Sonos ZP90 (neu Connect), der aber einen hundsmiserablen D/A Wandler hat, deshalb hängt noch ein Cambridge Stream Magic hinten dran. Der Cambridge kann auch streamen, aber die Software ist wirklich mies und macht keine Freude. Allerdings streame ich nur, wenn ich in Alben reinhöre.

Der wahre Genuss ergibt sich, wenn man ans Plattenregal geht, sich etwas schönes aussucht und den Plattenspieler anwirft!

Worauf wollte ich mit meinen Ergüssen eigentlich hinaus? Ach ja! Wenn Ihr Musik wirklich mögt, kauft Euch eine schöne Stereoanlage. Sicher, man muss vielleicht verhältnismäßig viel Geld ausgeben, aber wenn man klug vorgeht, hat man für ein paar Tausender etwas gekauft, von dem man unter Umständen Jahrzehnte etwas hat.

Und wenn man bedenkt, was manche Leute in ihre Autos stecken, dann kostet so eine Anlage vielleicht so viel wie ein Satz Edel-Leichtmetallräder…

*Ein Linn Sondek kostete damals um die 2500DM, was viel Geld war, heute bekommt man ihn immer noch und er kostet in der höchsten Ausbaustufe ca. 22000€!