02 Analog oder Digital ?

IMG_0943Ja, ich weiß… Die Diskussion wird nie aufhören und es wird immer Leute und Besserwisser geben, die anhand technischer Daten „nachweisen“ wollen, dass die CD besser klingt.

Aber tut sie das auch? Gut, die Schallplatte rauscht gelegentlich ein wenig und manchmal knackst es auch, das kommt vor, ist aber selten. Ich besitze heute noch Schallplatten, die ich Anfang der 1970er Jahre gekauft habe und die noch gut klingen, nach einer Wäsche erst recht.

Zuerst einmal hat das Hören von Schallplatten für mich „lebensphilophische“ Gründe; und zwar bringt es Ruhe in den heute so hektische Alltag.

Ich habe Lust, Musik zu hören, also gehe ich zu meinem Schallplatteregal und fange an, Schallplatten heraus zu ziehen, sehe mir also die Cover (30×30 cm) an. Habe ich mich entschieden, entscheide ich mich für die A-Seite oder die B-Seite. Plattenspieler an, Platte drauf, abwischen, Lautstärke einstellen und ab auf das Sofa. Dann wird konzentriert Musik gehört, vom ersten bis zum letzten Lied. Meistens schaue ich mir dabei das Cover an oder lese die Texte auf der Hülle.

Nun hat es im Idealfall 20-25 Minuten weder gerauscht noch geknackst und ich habe meine Freude gehabt. Der Sound ist toll, die Schlagzeugbecken schwirrten zwischen den Boxen, alles war klar ortbar und ich hatte das Gefühl, der Sänger oder die Sängerin stand vor mir. Obwohl es vielleicht Rockmusik war, hatte alles einen Schmelz und war niemals unangenehm. Die Schallplatte produziert Klangfarben, übrigens, niemals zu laut hören, denn Lautstärke zertört die Klangfarben.

Die gleiche Musik als CD empfinde ich, obwohl sie auch gut klingt, eventuell als nervend und ich weiß eigentlich gar nicht warum. Doch, obwohl die CD vielleicht präziser ist, klingt sie harscher, aggressiver, gleichzeitig glatter und irgendwie aseptisch, klinisch rein.

Vielleicht kann man es mit Autos vergleichen, sicherlich ist ein VW Eos ein gutes Auto, aber macht er so viel Spaß wie ein alter Alfa Spider?

CD Anhänger, sofern sie Schallplatten überhaupt kennen, argumentieren fast immer mit technischen Daten, zum Beispiel die Dynamik. Na klar hat die Schallplatte gegenüber der CD eine geringere Dynamik, aber wer kann denn auf Dauer Musik mit Dynamiksprüngen von 80 dBA überhaupt ertragen, wahrscheinlich würde man ständig am Lautstärkeregler drehen, damit man selbst oder die Nachbarn nicht durchdrehen… Davon abgesehen werden heute viele CD nur noch laut produziert, d.h. die sogenannte Dynamik, der eigentliche Vorteil der CD, kommt gar nicht zum tragen. Siehe „Loudness-War„.

Oder Frequenzgänge: „Die CD geht von 20 Hz bis 20 kHz, mehr hört eh keiner!“ Falsch!

Inzwischen ist die Wissenschaft weiter und sagt, dass der Mensch durchaus in der Lage ist, Töne jenseits des eigentlichen, messbaren Hörbereichs wahrzunehmen, so werden z.B. extrem tiefe Töne nicht mit dem Gehör, sehr wohl aber mit dem Zwerchfell wahr genommen. Oberwellen über 20 kHz beeinflussen die Klangfarben des hörbaren Bereichs in nicht geringem Maße und tragen dazu bei, dass der Hochtonbereich angenehmer klingt.

CD-Player haben im analogen Ausgang starke Filter eingebaut, die alles über 20 kHz abwürgen, um eigene Störgeräusche zu verhindern. Cut.. Aus… Schluss!

Schallplatten, Tonabnehmer und gute Verstärker verarbeiten Frequenzen bis jenseits der 40 kHz… Das ist jetzt alles technisch und theoretisch, aber irgendwo her muss das Phänomen der angenehmeren Klangfarben, des Wohlklangs ja kommen.

Wahrscheinlich kommt es auch darauf an, ob das eigene Gehör „geschult“ ist und man sich angeeignet hat, Nuancen in der Musik überhaupt wahrzunehmen. Ich habe mal einen Bericht über Steinway Flügel im Fernsehen geschaut, da hat ein Pianist im Laden Unterschiede zwischen vier baugleichen Flügeln wahrnehmen können. Selbst wenn man kein ausgebildeter Musiker ist, sollte man in der Lage sein, klangliche Unterschiede in der Musik sowie zwischen Geräten zu hören.

Natürlich besitze ich einen CD-Player, sogar einen Streamer, aber eigentlich höre ich damit nur nebenbei oder wenn ich per Spotify neue Alben mal eben checken will.

Ansonsten gehört meine Liebe der Schallplatte und das lasse ich mir auch nicht ausreden!wlEmoticon-smile.png