München: Mitgefühl und Zorn

Da hat ein offenbar psychisch gestörter, junger Mann neun Menschen erschossen, eine Tragödie. Mein Mitgefühl gehört ihnen. Bis auf ein Opfer (45) waren alle Getöteten jung, drei 14-Jährige, zwei 15-Jährige sowie Personen im Alter von 17, 19, 20 Jahren. Das ist unsagbar traurig.

Aber was die Medien da abgezogen haben, macht mich zornig. Ich hatte recht spät von den Vorfällen erfahren und schaltete um 20 Uhr die Tagesschau ein. Die fing erst einmal mit einigen Liveschaltungen an, die komplett in die Hose gingen und als es nach rund zehn Minuten endlich klappte, teilten die Reporter vor Ort mit, dass sie auch nichts wüssten.

Nun könnten sich die seriösen öffentlich rechtlichen Sender ARD und ZDF ja erst einmal zurück halten und vielleicht „normales“ Programm bringen und eventuell am unteren Bildschirmrand etwas tickern, wenn es sich ergibt, denn es gibt etwas weiter unten im Senderangebot Sender wie Phoenix oder Tagesschau 24, in denen man die ganze Zeit wild hätte spekulieren können, was sie aber mit Inbrunst im Ersten und im Zweiten taten.

Der Informationsgehalt für die Zuschauer ging gegen Null, es wurden immer wieder die gleichen Handyvideos gezeigt und darüber angeregt spekuliert.

War es nun ein Täter oder mehrere? Ich habe wirklich keine Ahnung von Amokläufen oder Terroranschlägen, aber ich dachte mir sofort, sollten es mehrere Täter mit Langwaffen, sprich Gewehren gewesen sein, wären doch weit mehr Opfer zu beklagen gewesen, mir fiel sofort das Bataclan in Paris ein.

Ich habe erst mal abgeschaltet und nach ein paar Stunden wieder eingeschaltet, noch immer das Gleiche, keiner weiß was, alle spekulieren und nun sind auch noch die unsäglichen Terrorexperten von ARD und ZDF dazu gekommen, aber auch sie wissen nichts, schwingen sich aber zu den tollsten Theorien auf.

Und noch immer laufen die gleichen Videos, noch immer weiß niemand genau, was da genau gezeigt wird und wieder wird spekuliert und fabuliert. Thomas Roth von der ARD und Klaus Kleber sind vollkommen überfordert, stammeln herum und erzählen immer wieder dasselbe.

Mir fällt die Berichterstattung vom 11. Sepember 2001 ein und meine, dass es damals gefasster zuging. Natürlich will ich jetzt nicht zwei Katastrophen vergleichen und werten.

Leben wir nicht langsam in einer (Des)Informationsgesellschaft, in der wir permanent mit Informationen überhäuft werden, die gar keine sind?

Da kommt der Zug zu spät und die Bahn fühlt sich gemüßigt, einen Grund, eine Weichenstörung, eine Signalstörung oder einen Personenschaden anzugeben, obwohl mir die Information nichts nützt, außer dass mein Zug zu spät kommt.

Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt 50%, ja regnet es nun oder nicht?

Die öffentlich rechtlichen Sender sollten mal in sich gehen und überlegen, ob sie es den Privaten gleich tun wollen und die Sendezeit irgendwie füllen, oder ob sie den Zuschauer wirklich über „Ereignisse“ informieren sollen, denn das eigentliche Ereignis gestern wäre mit wenigen Worten mitzuteilen gewesen, während sie sich „Nichtereignisse“, Nichtwissen und wüste Spekulationen hätten sparen können.

Auch die Münchener Polizei hätte sich darauf beschränken können, der Bevölkerung mitzuteilen, wie sie sich verhalten soll. Sachdienlich Hinweise nennt man das… Obwohl man für die Polizei Verständnis haben muss, es war eine extreme Ausnahmesituation.

Und noch einmal möchte ich mein Mitgefühl bekunden, vor allem den Eltern, deren Kinder, Heranwachsene und junge Erwachsene so jäh aus ihrem Leben gerissen wurden.

Advertisements

Über Hans-Peter

58 Jahre alt, interessiert sich für alles...
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Doof, Dumm gelaufen, Meinung abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.